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PFIFF ist ein vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der bundesweiten Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) gefördertes Projekt.logo_der_inqa.jpg
 
Die Folgerungen Drucken
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Welche Folgerungen können wir aus den Ergebnissen ziehen?

Die Auswertung der neurophysiologischen Untersuchung zeigte, dass die Fähigkeit zum flexiblen Wechsel zwischen kognitiven Aufgaben bei älteren verglichen mit jüngeren Probanden grundsätzlich nicht beeinträchtigt ist. Allerdings schneiden Ältere in Tests schlechter ab, die die gleichzeitige Aufrechterhaltung von mehreren Aufgaben im Arbeitsgedächtnis und ein hohes Maß an Daueraufmerksamkeit erfordern. Im Gegensatz zu den älteren Produktionsbeschäftigten (taktgebundene Tätigkeit) konnten jedoch die älteren Probanden aus den Bereichen Instandhaltung/Qualitätssicherung (flexible Tätigkeit) bestimmte Defizite durch ein sorgfältiges Arbeiten ohne zusätzliche Zeitkosten kompensieren. Diese Differenz spiegelt sich auch in der Amplitude und/oder Latenz der ereigniskorrelierten Potenziale wider.

Insgesamt lassen sich mit der Studie altersbedingte und umweltbedingte Faktoren auf die kognitive Kontrolle extrahieren: Während die Älteren insgesamt Arbeitsgedächtnis- und Daueraufmerksamkeitseinbußen gegenüber Jungen aufweisen, bringen die älteren Beschäftigten aus dem Qualitätssicherungssektor (flexible Tätigkeit) eine durchschnittlich bessere Leistung als die älteren Produktionsbeschäftigten (taktgebundene Tätigkeit). Dies könnte durch die relativ wenig kognitiv herausfordernde und monotone Tätigkeit sowie fremdbestimmte Taktgebung über einen längeren Zeitraum bedingt sein. Diese Ergebnisse stimmen mit Befunden überein, die gezeigt haben, dass sich Alterungseffekte auch nach der Beschaffenheit des Arbeitsplatzes richten können. Dies trifft in Arbeitssituationen zu, wenn

  • kognitive Funktionen durch die Tätigkeit in einem bestimmten Arbeitsfeld nicht beansprucht und gefördert werden (Estryn-Behar et al. 2005),
  • monotone Tätigkeiten (Rowe & Kahn 1998) und Aufgaben mit stärkeren manuellen und geringeren intellektuellen Anforderungen (Jorm et al. 1998; Schmand et al. 1997) im Berufsleben dominieren sowie
  • Nacht- und Schichtarbeit (Folkard 1996; Folkard & Akerstedt 2004; Folkard & Tucker 2003; Rouch et al. 2005) den Arbeitsablauf bestimmen.

Neben ungünstigen Arbeitsbedingungen wirkt sich auch Stress negativ auf die geistige Leistungsfähigkeit aus (Alexander et al. 2007; Caswell et al. 2003; Jelicic et al. 2004; Klein & Boals 2001a, 2001b; Lee et al. 2004; Lupien et al. 1997; Sliwinski et al. 2006; Wolf et al. 1998). Da wir einen Großteil unserer Zeit an unserem Arbeitsplatz verbringen, ist berufsbedingter Stress ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang: Zeit- und Leistungsdruck, Über- und Unterforderung, geringe Entscheidungsspielräume, mangelnde Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte oder auch Rollenunsicherheit können arbeitsbezogenen Stress hervorrufen. Eine kritische Rolle spielt auch die zunehmende Arbeitsplatzunsicherheit, die sowohl mit einer Beeinträchtigung der Motivation als auch einem nachlassenden Gefühl der Verbundenheit mit dem Betrieb einhergeht. Beides wirkt sich negativ auf die Arbeitsleistung und schließlich auf die Lebensqualität aus.

Auch in unserer Untersuchung konnten wir Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen berufsbedingtem Stress und der geistigen Leistungsfähigkeit finden, vor allem für die Bereiche Overcommitment, soziale Unterstützung und Gemeinschaftsgefühl. Sozial unterstützende Verhaltensweisen durch Kollegen und Vorgesetzte scheinen also eine wichtige Ressource im betrieblichen Zusammenhang zu sein. Sie kann sowohl die Wirkung objektiver Stressoren als auch die Wahrnehmung von Stressoren verringern (Frese & Semmer 1991).