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PFIFF ist ein vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der bundesweiten Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) gefördertes Projekt.logo_der_inqa.jpg
 
Was ist Gehirntraining? Drucken

Tanja Rommel-Sattler
Trainerin in der GfG

Mentales Aktivierungs-Training (MAT)

MAT ist ein wissenschaftlich fundiertes Konzept zur Erhaltung mentaler Leistungsfähigkeit, welches auf informationspsychologischen Erkenntnissen beruht.
Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Schnelle Verarbeitung, Reaktion und Wissen gehören ebenso zu den Anforderungen im täglichen Leben, wie körperliches Leistungsvermögen, wenn nicht gar mehr. Mit zunehmendem Alter fühlen wir uns häufig überfordert von unkontrolliert auf uns einströmenden Wissensangeboten. Medien wie Fernsehen, Rundfunk und Internet, aber auch vorgegebene Anforderungen am Arbeitsplatz lassen uns häufig zu passiven Wissenskonsumenten verkümmern und vermitteln nur selten Strategien, sich das angebotene Wissen im wahrsten Sinne des Wortes zu eigen zu machen.
Die Gesellschaft für Gehirntraining e.V. (GfG) beschäftigt sich seit mehr als zwanzig Jahren mit dem Thema der Erhaltung und Förderung geistiger Fähigkeiten. Sie hat ca. 3.000 Mitglieder und hat mehr als 800 MAT-Trainer im deutschsprachigen Bereich ausgebildet. Das von Dr. Siegfried Lehrl, dem Vorstandsvorsitzenden der GfG,  und Prof. Bernd Fischer konzipierte Gehirnjogging - später  unter dem Namen Mentales AktivierungsTraining (MAT) präzisiert - ist ein wissenschaftlich fundiertes Konzept, welches mentales Training ermöglicht und dazu beiträgt, die geistige Fitness zu erhalten beziehungsweise gezielt zu fördern.
Die durchschnittliche Intelligenzentwicklung im Laufe eines Lebens wird in der Regel wie folgt beschrieben: die mentalen Kapazitäten steigen etwa bis zum 16. Lebensjahr an, bleiben circa bis zum 25. Lebensjahr erhalten und sinken von diesem Zeitpunkt an langsam aber stetig. Die Erkenntnis dieser Entwicklung führte in den 80iger Jahren zu dem provokanten Ausspruch: „Hilfe, wir werden immer dümmer!". Eine differenzierte Betrachtung der Intelligenzkurve zeigt jedoch, dass es die so genannte flüssige Intelligenz (Cattell, 1962) ist, die diesen Verlauf nimmt, wohingegen die so genannte kristallisierte Intelligenz, welche auf erworbenes Wissen zurückgreift, relativ stabil bleibt.
Die flüssige Intelligenz, auch fluide Intelligenz genannt, ist tatsächlich trainierbar. Kristallisierte Intelligenz operiert auf demjenigen Erfahrungsschatz, welchen wir uns via unserer flüssigen Intelligenzanteile im Laufe unseres Lebens zusammen getragen haben. Flüssige Intelligenz erlaubt uns, dieses Wissen zu erhalten und lebenslang zu vergrößern.
Die bewusste Verarbeitung der eingehenden Sinnesinformationen findet im so genannten Kurzspeicher oder Arbeitsgedächtnis statt. Diese Prozesse, so wird heute angenommen, finden hauptsächlich im präfrontalen Kortex statt. Diese bewusste Verarbeitung im Kurzspeicher nennt man Denken. Wir können auch Erfahrungsinhalte aus unserem Gedächtnis in den Kurzspeicher holen (erinnern), beziehungsweise neue Erfahrungen in das Gedächtnis transferieren (lernen). Vom Kurzspeicher aus werden Informationen wieder an die Peripherie weitergeleitet; diese Impulse befähigen uns zum Handeln, das heißt zum Einwirken auf unsere Umwelt. Die Zeit, in der uns Gedankeninhalte zur bewussten Verarbeitung zur Verfügung stehen, wird als Merkspanne bezeichnet und ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sie bewegt sich im Durchschnitt zwischen 4 bis 8 Sekunden. Auch die Verarbeitungsgeschwindigkeit, das heißt die Geschwindigkeit mit der Informationen bearbeitet werden können, ist nicht bei jedem Menschen gleich. Im Mittel liegt diese Geschwindigkeit bei 16 bit pro Sekunde. Die Kapazität des Kurzspeichers hängt von diesen beiden Grundgrößen, der Merkspanne und der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit ab. Ihr Produkt, so das psychologische Modell, ergibt die Kurzspeicherkapazität.
Die beiden Variablen Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und Merkspanne sind genau die beiden Grundgrößen, welche einem Training zugänglich sind und es dem Menschen ermöglichen, seine flüssige Intelligenz zu trainieren. So gesehen ist das MAT ein Aktivierungstraining, in dem psychologische Grundgrößen mit einfachen Übungen durch tägliches Training von 5 bis 10 Minuten beansprucht werden. MAT-Übungen sind daher immer so ausgerichtet, dass kein festes, wie auch immer geartetes Wissen die Ausübung ermöglicht, sondern so, dass kognitive Basisgrößen angesprochen werden, die das unmittelbare Behalten und die Schnelligkeit der Verarbeitung fördern. Diese Förderung der Basis unserer menschlichen Verarbeitungskapazität bewirkt schlussendlich ein besseres Erinnerungsvermögen, steigert aber auch die Lernfähigkeit und sorgt so langfristig für die Erhaltung beziehungsweise Steigerung unserer mentalen Fähigkeiten.
Durch Testverfahren (KAI - Kurztest für allgemeine Grundgrößen der Intelligenz) ist es möglich, die Kurzspeicherkapazität zu messen und dabei auch den Verlauf des Erfolgs eines Trainings zu dokumentieren. Tatsächlich gibt die Kurzzeitspeicherkapazität Auskunft darüber, welches kognitive Potential uns im Augenblick zur Verfügung steht.
MAT wird in der Regel in Gruppen angeboten, kann aber auch im Einzelsetting durchgeführt werden. Grundlage sind unterschiedliche Übungen zu den beiden genannten psychologischen Basisgrößen. Viele dieser Übungen sind Zahlen- und Buchstabenspiele. Anagramme sowie Rechenspiele gehören ebenso zum Grundkonzept, wie logische Reihen vervollständigen und Symbolmuster erkennen. Übungsbeispiele sind unter http://www.gfg-online.de/ zu finden.
Ein grundlegendes Anliegen des MAT ist die Schulung der Teilnehmer in gehirnphysiologischen Grundkenntnissen und die Sensibilisierung für anwendungsorientierte Erkenntnisse aus Forschungsbereichen der Psychologie und der Neurowissenschaften. Auf diesem Weg sollen den Teilnehmern Mittel und Wege aufgezeigt werden, wie geistige Fitness praxisnah und alltagstauglich erlangt und erhalten werden kann.


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Literatur
Gerstmeyer, K., Lehrl, S., Kataraktbedingte Änderungen der Informationsverarbeitung, Ophtalmologe 2004, 101:158-163

Lehrl, S., Fischer B., Selber Denken macht fit, Vless-Verlag, Ebersberg

Lehrl, S., Lehrl M., Weickmann, E., MAT Gehirnjogging, Einführung in das Mentale AktivierungsTraining, Vless Verlag, 1994

Lehrl, S., Lehrl M., Weickmann, E., MAT Gehirnjogging, Basisübungen zum Mentalen AktivierungsTraining, Band I und II, Vless-Verlag, 2. Aufl. 1995 und 1996

Lehrl, S., Gerstmeyer, K., Systematische Fehleinschätzung von Altersdemenz durch Kataraktbedingte Minderung der Informationsverarbeitung?, Ophtalmogole 2004, 101:164-169

Lehrl, S., Seifert K., „Führen erworbene Hörverluste bei Erwachsenen zu Intelligenzminderungen?", HNO, 2003, 51: 296-304

Leponcin, M., Seguin H., "Croque Cerveau. Bien se nourrir pour mieux penser.", Editions Stock, 1989

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